Erfolgreiche Fortsetzung der „Einführung in das Wirtschaftsarchivwesen“ an der FH Potsdam, 11. bis 13. März 2026

Annalena Riemenschnitter, Daniel Artur Schindler und Amalia Astari

Tag 1, Mittwoch, 11. März: Breites Themenspektrum am ersten Seminartag: Von Bewertung bis Digitalisierung

Am Mittwoch, dem 11. März 2026, startete an der Fachhochschule Potsdam zum zweiten Mal die Weiterbildung „Einführung in das Wirtschaftsarchivwesen“. Der Kurstag begann mit einer Begrüßung durch das Team der Fachhochschule sowie durch die VdW-Vorständin Astrid Wolff, welche den gesamten Kurs moderativ begleitete.

Bei der Vorstellungsrunde der 18 Teilnehmer*innen wurde die heterogene Zusammensetzung der Gruppe deutlich, sowohl mit Blick auf die einzelnen Arbeitsbereiche, auf die Herkunft (Deutschland, Österreich, Schweiz), als auch auf die Branchen. Diese Heterogenität führte zu einem regen Austausch und zu lebhaften Diskussion über Landesgrenzen hinweg.

An diesem ersten Kurstag wurden in vier verschiedenen Modulen die Grundlagen der archivarischen Arbeit vermittelt. Mit ihrem Vortrag leitete Prof. Dr. Karin Schwarz von der Fachhochschule Potsdam den Themenblock „Bewertung und Übernahme“ ein. Sie bot einen Einblick in die „Königsdisziplin der Archivierung“, welche im Arbeitsalltag von Wirtschaftsarchivar*innen eine wichtige Rolle spielt.

Am Nachmittag schaltete sich Jens Brokfeld von der Draiflessen Collection GmbH online zu und bot einen Einblick in die Arbeitsweise des C&A‑Unternehmensarchivs mit dem Schwerpunkt Bestandsbildung und Verzeichnung. Anhand praktischer Beispiele zeigte er sein Vorgehen in beiden Bereichen auf und vermittelte den Teilnehmer*innen hilfreiche Hinweise für die archivische Praxis.

Das dritte Modul des ersten Tages wurde von Dr. Jonas Springer von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach‑Stiftung geleitet und widmete sich dem Thema „Records Management“. Dabei zeigte sich schnell, dass zwar nahezu alle Teilnehmer*innen den Begriff bereits kannten, jedoch keine klare Definition damit verbanden. Dr. Springer schloss diese Lücke und gab zudem praktische Tipps für die Umsetzung in den eigenen Archiven.

Den Abschluss des ersten Kurstages gestaltete Dr. Ulrike Gutzmann aus dem Unternehmensarchiv von Volkswagen. In ihrem Vortrag setzte sie sich mit den Herausforderungen des digitalen Zeitalters und den Anforderungen der digitalen Archivierung auseinander. Sie vermittelte den Teilnehmer*innen sowohl theoretische Modelle als auch praktische Handlungsempfehlungen für die archivische Arbeit. Insgesamt stellte der erste Kurstag einen gelungenen Auftakt für eine erfolgreiche und bereichernde Weiterbildung der VdW dar.

Tag 2, Donnerstag, 12. März: Historische Kommunikation – Glaubwürdigkeit nach Innen und Außen

Schon am ersten Seminartag fiel ein Schlüsselbegriff, der für Historische Kommunikation essenziell ist: Überlieferung. In ihren Archiven sichern Unternehmen Zeugnisse ihrer Vergangenheit – so sind Archive zentrale Anlaufstellen, wenn es darum geht, glaubwürdig über die eigene Unternehmensgeschichte zu berichten.

Astrid Wolff gab an Tag zwei eine pointierte Einführung in diesen Themenkomplex. Kommunizieren Unternehmen ihre Historie (sei es im Marketing, in der PR, intern oder extern) muss dies mit Glaubwürdigkeit erfolgen. Ein Ziel, das nur durch gründliche Archivarbeit erreichbar ist. Eine saubere Überlieferung der Fakten bildet die Basis, auf der Historische Kommunikation fußt. Das Archiv dient dabei einerseits als Dienstleister, der die kommunizierende Abteilung mit Hintergrundwissen und Materialien versorgt, kann aber andererseits auch selbst kommunizieren – stets die strategische Ausrichtung des Unternehmens im Blick.

Ein Beispiel aus der Praxis brachte Astrid Wolff in ihrem zweiten Vortrag. Als Archivarin eines Unternehmens der Automatisierungstechnik organisierte sie das hundertjährige Jubiläum. Nicht die übliche Aufgabe einer Archivarin, aber eine wertvolle Erfahrung mit wichtigen Ratschlägen für das Plenum: Kapazitäten und Zuständigkeiten früh klären und im Zweifel konsequent verteidigen. Entscheidungen festhalten, um deren Verlust vorzubeugen.

Es folgten zwei Praxisbeispiele aus der Bankenwelt, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Elke Pfnür gab Einblick in die typische Arbeitskonstellation im Unternehmensarchiv: als Einzelkämpfer*in. Gerade dann ist Kommunikation unerlässlich, denn sie macht das Archiv im Unternehmen überhaupt erst sichtbar. Interne Zielgruppen müssen wissen, dass dieser Ort existiert, an dem wichtige Unterlagen für die Nachwelt erhalten werden und für neue Projekte verfügbar sind. Elke Pfnür zeigte zahlreiche Kommunikationswege auf und schloss mit dem wichtigen Kredo, es einfach zu machen – und dabei Wege zu finden, es sich einfach zu machen.

Dr. Martin L. Müller stellte anschließend den Umgang der Deutschen Bank mit ihrer NS-Vergangenheit vor. Von ersten Dokumentationen in den OMGUS-Akten über Publikationen von Fritz Seidenzahl und Jonathan Steinberg bis zur aktuellen Darstellung der Unternehmensgeschichte 2020 wurden verschiedene Herangehensweisen vorgestellt. Zentrale Erkenntnis: Unternehmen sind gut beraten, offen über ihre Rolle während des Nationalsozialismus zu kommunizieren. Sonst übernehmen Dritte die Deutung und man verliert die Kontrolle über das eigene Narrativ.

Das letzte Praxisbeispiel des Tages kam von Dietrich Kuhlgatz mit Einblicken in die digitale Historische Kommunikation eines Industrieunternehmens. Ob Beiträge im Intranet, ein eigener Geschichtsblog oder Social Media – die Vermittlung der Unternehmensgeschichte kann vielfältig erfolgen, intern wie extern. Erfolgsmessung ist dabei unerlässlich. Besonders diskutiert wurde die Archivführung per Tablet über Microsoft Teams, um auch international tätige Mitarbeiter*innen zu erreichen.

Mit Möglichkeiten der Bildungsarbeit in Unternehmensarchiven schloss Prof. Dr. Susanne Freund den informativen Seminartag. Sie betonte, dass privatwirtschaftliche Archive vor besonderen Herausforderungen stehen, denn Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit kann mit Unternehmensinteressen kollidieren. Dennoch sollte Bildungsarbeit auch intern nicht vernachlässigt werden. Zwei Beispiele waren die Oral History, bei der (ehemalige) Mitarbeiter*innen über ihre Arbeit berichten, und das Crowd Sourcing, bei dem Mitarbeiter*innen das Archiv bei der Erschließung unterstützen.

Die Module des zweiten Tages spannten einen weiten Bogen über verschiedene Zielgruppen sowie Methoden Historischer Kommunikation und hinterließen inspirierte Seminarteilnehmer*innen.

Tag 3, Donnerstag, 13. März: Bestandserhaltung & Archivbau

Tag drei und damit der letzte Tag unseres Workshops in Potsdam.

Auf dem Tisch wartet direkt zu Beginn eine kleine, liebevolle Aufmerksamkeit: ein Päckchen Gummibärchen mit der Aufschrift „Gute Heimfahrt“. Eine schöne Geste, doch bevor es tatsächlich ans Abschiednehmen geht, liegt noch einmal spürbare Spannung in der Luft. Neugier und Interesse prägen die Atmosphäre im Raum, denn alle freuen sich auf den Input von Dr. Paolo Cecconi, Leiter des Stadtarchivs Chemnitz, zum Thema Bestandserhaltung und Archivbau.

Eröffnet wird der Tag mit einem Abschlusswort aus dem Vorstand der VdW durch Lysann Goldbach. Anschließend übernimmt Astrid Wolff die Moderation und startet mit einer offenen Frage: Was nehmen wir aus den vergangenen zwei Workshop-Tagen mit?

Die Teilnehmenden teilen ihre Eindrücke und schnell wird deutlich: Archivkommunikation bietet unglaublich viele Möglichkeiten und lebt von Kreativität.

Im Mittelpunkt steht danach der Vortrag von Dr. Cecconi. Seine zentrale Botschaft ist klar und bleibt hängen:

„Bestandserhaltung ist eine langfristige Strategie.“

Dabei geht es nicht nur um die Restaurierung bereits entstandener Schäden, sondern vor allem um präventive Konservierung.

Deutlich wird auch: Bestandserhaltung ist keine optionale Aufgabe, sondern eine rechtliche Verpflichtung. Archive tragen Verantwortung, für die Originalsubstanz, den Informationswert und den Beweiswert ihrer Unterlagen, egal ob analog oder digital.

Ein besonderer Fokus liegt auf der Prävention: ein stabiles Klima, geeignete Verpackung, kontrollierte Nutzung und vor allem eine durchdachte Notfallplanung. Denn Risiken wie Brände, Wasserschäden, technische Ausfälle oder Cyberangriffe machen auch vor Archiven nicht halt. Deshalb gilt:

„Notfallplanung ist kein Zusatz, sondern Pflicht.“

Auch das Thema Archivbau spielt eine zentrale Rolle. Gebäude sind weit mehr als reine Infrastruktur, sie sind aktive Schutzinstrumente. Standort, Sicherheit, klimatische Stabilität, Schutz vor Schädlingen wie Papierfischchen und eine vorausschauende Planung entscheiden maßgeblich über den langfristigen Erhalt des Archivguts.

In der Diskussion teilt Dr. Cecconi zudem spannende Einblicke aus der Praxis - von der Arbeit mit japanischem Papier bis hin zum Einsatz von Bügeleisen beim Glätten von Karten und Plänen. Sein Fazit bringt es auf den Punkt:

„Ein gutes Gebäude ist die erste Schutzmaßnahme fürs Kulturgut.“

Natürlich wird auch der digitale Raum mitgedacht. Digitale Unterlagen sind keineswegs automatisch sicher. Risiken wie Datenverlust, Format-Veraltung oder Cyberangriffe erfordern klare Strategien, etwa durch regelmäßige Migrationen, Backups und IT-Notfallkonzepte.

Mit vielen neuen Perspektiven, praxisnahen Einblicken und dem klaren Bewusstsein für die Verantwortung von Archiven endet der Workshop in Potsdam. Drei intensive Tage voller Austausch, Ideen und Impulse, die weit über den Moment hinauswirken, liegen hinter uns.

Wir sagen Danke für die gemeinsame Zeit, die spannenden Diskussionen und das Engagement und nehmen nicht nur Wissen, sondern auch neue Inspiration mit auf den Weg. Bis zum nächsten Mal!